Zeichnungen
1895 wird Adolf Wölfli zur Untersuchung seiner Zurechnungsfähigkeit in die psychiatrische Heilanstalt Waldau bei Bern eingewiesen. Die Diagnose lautet auf Dementia paranoides (Schizophrenie) und Wölfli wird von 1895 bis zu seinem Tod 1930 in der Waldau interniert.
 Adolf Wölfli
"Strichniin, Milch. Vittriool, Bentziin.
Familie Wölfli bei Tisch", 1909
Aus: "Von der Wiege bis zum Graab" |  Adolf Wölfli
"Santta-Maria-Burg-Riesen-Traube: 100 Unitif Zohrn schwer", 1915
Aus: "Geographische und allgebräische Hefte" |  Adolf Wölfli
"Kraft Cheese", 1929
S.2423 aus: "Trauer-Marsch" |
Laut Krankengeschichte beginnt Adolf Wölfli 1899 mit Zeichnen. Aus den ersten Jahren seines Schaffens haben sich keine Zeichnungen erhalten. Die ersten uns bekannten Werke stammen aus 1904 und 1905. Es handelt sich um Bleitstiftzeichnungen auf Zeitungspapier, die Wölfli bereits mit ”Adolf Wölfli, Komponist von Schangnau” signiert (siehe Frühwerk). Sie enthalten bereits Wölflis charakteristisches Formvokabular. Weil uns die ersten Jahre fehlen, wissen wir nicht, wie es sich ausgebildet hat.
1908 beginnt Wölfli mit seinem erzählerischen Werk, an dem er bis zu seinem Tod 1930 mit wenigen Unterbrechungen arbeitet. Es ist für Wölfli von grösster Wichtigkeit und sein eigentliches Lebenswerk. Mittels eines komplexen Flechtwerks von Prosa, Poesie, Lautmalerei, Ordnungstabellen, neuen Zahlen und musikalischen Kompositionen verwandelt er seine Kindheit in eine grossartige Vergangenheit und seine Zukunft in eine persönliche Utopie. Dieses 25'000seitige Erzählwerk enthält rund 1600 Zeichnungen und 1600 Collagen und besteht aus fünf Teilen (siehe auch „Schriften“):
Von der Wiege bis zum Graab (1908-1912)
Geographische und Allgebräische Hefte (1912-1916)
Hefte mit Liedern und Tänzen (1917-1922)
Allbumm-Hefte mit Tänzen und Märschen (1924-1928)
Trauer-Marsch (1928-1930)
Parallel zum erzählerischen Werk zeichnet Wölfli zuerst vereinzelt, ab 1916 wegen steigender Nachfrage regelmässig, sogenannte Einblattzeichnungen oder „Brotkunst“ (Walter Morgenthalter). Diese Zeichnungen auf losen Blättern kann Wölfli, im Gegensatz zu den Schriften, die als ganzes zusammenbleiben müssen, an Ärzte, Angestellte und Besucher verschenken, verkaufen oder gegen Farbstifte, Papier oder Tabak eintauschen (siehe Brotkunst).