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Adolf Wölfli (1864-1930)
Lebensdaten

Adolf Wölfli, um 1920

Adolf Wölfli neben dem
Stapel seiner Bücher, 1921

Adolf Wölfli mit Papiertrompete
Um 1926
1864
Wölfli wird am 29. Februar als jüngstes von sieben Kindern in Bowil, Emmental (Kanton Bern) geboren. Der Vater ist Steinhauer und Trinker. Adolf Wölfli wächst in sehr ärmlichen Verhältnissen auf.

Um 1870
Der Vater verlässt die Familie. Die Mutter verdient den Lebensunterhalt als Wäscherin.

1872
Wölfli und seine kranke Mutter werden armengenössig und durch die Behörden von Bern in die Heimatgemeinde Schangnau umgesiedelt. Sie werden getrennt bei Bauern als Arbeitskräfte untergebracht.

1873
Tod der Mutter.

1879
Wölfli lebt unter sehr schweren und entwürdigenden Arbeits- und Lebensbedingungen als Verdingbub bei verschiedenen Bauernfamilien in Schangnau.

1880-1890
Wölfli arbeitet als Knecht, Handlanger und Welschheuer an verschiedenen Orten in den Kantonen Bern und Neuenburg. Eine erste Liebesbeziehung scheitert aus sozialen Gründen. Er durchlebt weitere Liebesverhältnisse, die alle an seiner Armut scheitern.

1890
Wegen versuchter Notzucht an einem vierzehnjährigen und einem fünfjährigen Mädchen wird Wölfli verhaftet und zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt.

1892-1895
Zunehmende soziale Isolierung und Vereinsamung.

1895
Wegen Notzuchtversuchs an einem dreieinhalbjährigen Mädchen wird Wölfli erneut verhaftet. Zur Untersuchung seiner Zurechnungsfähigkeit wird Wölfli in die Irrenanstalt Waldau bei Bern eingeliefert. Diagnose: Schizophrenie. Wölfli wird in der Waldau interniert und bleibt dort bis zu seinem Tod 1930.

1899
Wölfli beginnt mit Zeichnen. Arbeiten aus dieser Zeit sind keine erhalten.

1904-1906
Erste erhaltene Zeichnungen.

1907
Der Arzt und Psychiater Walter Morgenthale kommt an die Waldau, wo er mit Unterbrechungen bis Ende 1919 arbeitet.

1908-1912
Wölfli schreibt an Von der Wiege bis zum Graab. Oder, Durch arbeiten und schwitzen, leiden und Drangsal, bettend zum Fluch. Manigfalltige Reisen, Abenteuer, Un=glücks=Fälle, Jagten, und sonstige Erlebnisse eines verirrten, auf dem gantzen Erdball herum. Oder, Ein Diener Gotes, ohne Kopf, ist ärmer als der ärmste Tropf (rund 3000 Seiten). Farbstiftzeichnungen illustrieren den Text.

1912-1916
Niederschrift der Geographischen und allgebräischen Hefte (rund 3000 Seiten). Musikbilder und Zahlenbilder begleiten den Text. Ab 1916 signiert Wölfli mit Skt. Adolf II.
1916 Beginn der Produktion der Einblattzeichnungen.

1917-1922
Niederschrift der Hefte mit Liedern und Tänzen (rund 7000 Seiten). Erste Auftragsarbeiten für die Waldau. Kleine Sammlungen seiner Einblattzeichnungen entstehen, u.a. von Ärzten und Künstlern.

1921
Walter Morgenthaler veröffentlicht Ein Geisteskranker als Künstler, seine berühmte Monographie über Wölflis Leben und Werk. Die Studie wird u.a. von Rainer Maria Rilke und Lou Andreas-Salomé gelesen. Im Zusammenhang mit dieser Publikation sind einige Zeichnungen Wölflis in Bern in einer Buchhandlung ausgestellt.

1924-1928
Niederschrift der Allbumm-Hefte mit Tänzen und Märschen (rund 5000 Seiten).

1928-1930
Niederschrift des Trauer-Marsches (rund 8000 Seiten).
Am 6. November stirbt Wölfli an Magenkrebs.


Das Schicksal von Wölflis Werk nach seinem Tod:

1945-1951
Nach dem Tod von Wölfli wird es still um sein Werk. 1945 entdeckt es der französische Künstler Jean Dubuffet auf einer Reise durch die Schweiz. In der Folge wird es einer der Hauptpfeiler seiner Idee einer Art Brut sein und als Teil der Sammlung der "Compagnie de l'Art Brut" in Paris an verschiedenen Orten gezeigt werden (Mitglieder der "Compagnie de l'Art Brut" waren u.a. André Breton, Jean Paulhan und Henri-Pierre Roché.)

1950
Zeichnungen Wölflis werden an der Exposition internationale d'art psychopathologique in Paris gezeigt, die 2000 Werke aus 45 Sammlungen vereint und von 10000 Personen besucht wird.

1963
Harald Szeemann zeigt Wölflis Werke im Rahmen der Ausstellung Bildnerei der Geisteskranken in der Kunsthalle Bern.

1967
Grosse Ausstellung der Sammlung Dubuffets unter dem Titel Art Brut im Musée des Arts Décoratifs in Paris.

1972
Szeemann zeigt Wölflis Werk zum ersten Mal im Kontext internationaler Kunst an der documenta 5 in Kassel. In London erscheint Roger Cardinals Buch Outsider Art und eröffnet dem angelsächsischen Publikum den Zugang zu diesem Thema.

1975
Gründung der Adolf-Wölfli-Stiftung, Kunstmuseum Bern.
Eröffnung der Collection de l'Art Brut in Lausanne (Jean Dubuffets Sammlung).

1976-1980
Grosse Wanderausstellung des Werks von Adolf Wölfli durch Europa und den USA.

1985
Der erste Teil von Adolf Wölflis Schriften, Von der Wiege bis zum Graab, wird publiziert. Wölfli wird als Schriftsteller und Poet entdeckt.

1991
Ein Ausschnitt aus dem zweiten Teil von Wölflis Schriften, Geographisches Heft No. 11, wird publiziert.

2003
In New York findet im American Folk Art Museum die Ausstellung „The Saint-Adolf-Giant Creation: The Art of Adolf Wölfli“ statt und wird zum grossen Erfolg.



Links:
Bibliographie

Pdfs:
Adolf Wölfli, Kurze Lebensbeschreibung, 1895 (5mb)
aw_lebensgeschichte_1895_copy1.pdf

Chronologische Darstellung
von Adolf Wölflis Leben und Werk
woelfli_leben_werk_parallel.pdf

Présentation chronologique
de la vie et de l’œuvre
woelfli_vie_oeuvre_parallele_copy2.pdf